Mein Weg

Singen begleitet mich, solange ich denken kann.

Bevor ich überhaupt wusste, was Gesangstechnik ist, waren es Pop und Soul, die mich begeistert haben. Ray Charles, Etta James und Aretha Franklin waren einige der ersten Stimmen, die mein Herz erobert haben. Schon als Kind stand ich auf der Bühne, mein erster richtiger Auftritt war mit etwa zehn Jahren mit „Lemon Tree“. Mit 13 sang ich bereits auf Hochzeiten.

Musik wurde immer mehr zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Ich sang viel im Chor und kam schließlich auf ein Musikgymnasium. Dort gehörten Gehörbildung, Musiktheorie, Ensembles und klassische Musik ganz selbstverständlich zum Alltag.

Mit etwa 16 Jahren entdeckte ich dann eine völlig neue Welt für mich: die klassische Stimme.

Die erste Oper, die ich live erlebte, war Carmen. Und plötzlich wusste ich: Genau das will ich machen.

Ich machte mein Abitur mit Musik als Hauptfach und begann anschließend mein Gesangsstudium in Frankfurt. Fünf Jahre lang studierte ich dort im Bachelor klassischen Gesang und beschäftigte mich gleichzeitig bereits mit Gesangspädagogik und Didaktik.

Mit 19 begann ich, selbst Schüler:innen zu unterrichten. Was zunächst parallel zu meinem eigenen Studium begann, wurde über die Jahre zu einem zweiten großen Teil meines musikalischen Lebens.

Denn während ich anderen Stimmen half, musste ich meine eigene erst wirklich verstehen lernen.

Und genau das hat meine Arbeit wahrscheinlich stärker geprägt als jeder geradlinige Weg es hätte tun können.

Meine Stimme

Mein eigener Weg zur Gesangstechnik war alles andere als geradlinig. Als ich meinen Bachelor beendete, hatte ich zwar jahrelang Gesang studiert, aber technisch noch längst nicht alle Antworten gefunden. Im Gegenteil: Manche Dinge funktionierten für meine Stimme nicht, anderes musste ich komplett neu lernen. Also begann ich zu suchen.

Ich arbeitete mit verschiedenen Professor:innen und Lehrer:innen, besuchte Meisterkurse und lernte sehr unterschiedliche technische Ansätze kennen. Ich probierte aus, hinterfragte und verwarf wieder.

Wie funktioniert Stütze wirklich? Was passiert mit Bauch, Rippen und Rücken? Welche Rolle spielen Zunge, Kehlkopf und Resonanzräume? Wie entsteht ein gesunder Stimmbandschluss? Warum funktioniert eine Anweisung bei einer Person sofort und bei der nächsten überhaupt nicht?

Mit der Zeit wurde mir etwas Entscheidendes klar:

Eine Stimme lässt sich nicht nur über Bilder und Anweisungen verstehen. Man muss verstehen, was im Körper tatsächlich passiert.

Gesang ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Muskelkoordination, Atem, Resonanz und Wahrnehmung. Gleichzeitig fühlt jeder Mensch diese Vorgänge anders. Deshalb kann dieselbe technische Erklärung für eine Person ein Aha-Moment sein und eine andere völlig blockieren.

Während meines ersten Masters an der Zürcher Hochschule der Künste vertiefte ich unter anderem die italienisch geprägte Gesangstechnik und beschäftigte mich intensiv mit Alter Musik und Barock.

Seit meinem zweiten Master, nehme ich Unterricht bei einer international bekannten Opernsängerin. Sie unterrichtet die Gesangstechnik, die sich auf alle Genres übertragen lässt.

Und dort schloss sich für mich irgendwann ein Kreis.

Denn ich erkannte immer stärker, wie eng die Welten miteinander verbunden sind, die oft getrennt voneinander unterrichtet werden.

Die Beweglichkeit einer Koloratur begegnet uns in anderer Form im Riff. Ein freier Resonanzraum verschwindet nicht plötzlich, nur weil wir statt Mozart Pop singen. Stimmbandschluss, Atemkoordination und Registerarbeit bleiben körperliche Prozesse, auch wenn sich der gewünschte Klang verändert.

Und genau hier kam mir meine eigene musikalische Geschichte zugute.

Ich war nicht mit Oper aufgewachsen. Mein ursprüngliches musikalisches Zuhause waren Pop und Soul. Später bildete ich mich zusätzlich im Musicalgesang weiter. Dadurch musste ich diese Welten für mich nie künstlich voneinander trennen.

Ich begann vielmehr zu verstehen, welche Grundlagen sie miteinander verbinden und an welchen Stellen sie sich unterscheiden müssen.

Heute kann ich zwischen klassischem Gesang, Pop, Soul und Musical wechseln und genau dieses Wissen prägt auch meinen Unterricht.

Denn am Ende geht es für mich nicht darum, eine Stimme in ein bestimmtes System zu pressen.

Es geht darum, sie so gut zu verstehen, dass man weiß, was man mit ihr tun kann.

Meine Art zu Unterrichten

Ich unterrichte heute seit über acht Jahren und wenn ich in dieser Zeit eines gelernt habe, dann das:

Es gibt nicht die eine Erklärung, die für jeden Menschen funktioniert.

Jede Stimme bringt einen anderen Körper, andere Gewohnheiten, andere Stärken und eine andere musikalische Geschichte mit.

Deshalb passe ich meinen Unterricht an den Menschen an, der vor mir steht.

Bei jemandem, der gerade erst anfängt, arbeite ich sehr bewusst an den Grundlagen. Haltung, Atmung, Stütze, Stimmbandschluss, Resonanz, Register und die Koordination der beteiligten Muskeln müssen zunächst verstanden und trainiert werden.

Denn wenn diese Prozesse irgendwann nicht mehr bewusst gesteuert werden müssen, sondern im Körpergedächtnis verankert sind, entsteht etwas Entscheidendes:

Freiheit.

Genau deshalb ist Technik für mich kein Selbstzweck.

Ich möchte nicht, dass du beim Singen irgendwann an zehn verschiedene Muskeln gleichzeitig denkst. Wir trainieren sie, damit du später eben nicht mehr an sie denken musst.

Bei fortgeschrittenen Sänger:innen sieht mein Unterricht deshalb oft ganz anders aus. Dann können wir viel tiefer in Songarbeit, Artikulation, Interpretation und Klanggestaltung eintauchen.

Was macht eine Textzeile mit deinem Atem? Wann braucht ein Song mehr Bruststimme, wann mehr Kopfstimme? Wie verändert sich eine Phrase, wenn Verletzlichkeit, Wut oder Sehnsucht tatsächlich körperlich im Klang hörbar werden? Wie können wir einen Song technisch sicher singen, ohne dass er technisch klingt?

Denn für mich ist Technik nur das Fundament.

Darauf entsteht Musik.

Mein aktueller Online-Kurs setzt deshalb ganz bewusst bei diesem Fundament an. Er soll dir helfen, die grundlegenden Prozesse deiner Stimme zu verstehen, zu koordinieren und so oft zu wiederholen, dass dein Körper sie zunehmend selbstständig abrufen kann.

Du sollst nicht von einer einzelnen Gesangsstunde abhängig sein, um zu wissen, was du tun musst.

Du sollst deine eigene Stimme verstehen.

Und je sicherer dieses Fundament wird, desto weniger musst du kontrollieren. Dann kann Technik in den Hintergrund treten und das nach vorne kommen, worum es beim Singen eigentlich geht:

dein Klang, deine Persönlichkeit und das, was du mit deiner Stimme erzählen möchtest.